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Start Allgemeine Rhetorik Der ideale Redner

Der ideale Redner

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Der idealer RednerRhetorik ist die Kunst der wirkungsorientierten Kommunikation. Sich selbst darstellen und damit seine eigenen wirtschaftlichen, politischen, beruflichen oder privaten Interessen überzeugend und wirkungsvoll durchzusetzen, bilden den Kern der rhetorischen Kunst. Ist die Rhetorik wirklich eine Kunst oder harte Arbeit. Wir fragen Marcus Tullius Cicero.

Cicero nutzt im ersten Buch von „De oratore“ die sermocinatio, in dem er die beiden bedeutendsten Redner vor seiner Zeit einen Dialog ausführen lässt, um die Problematik der Definition des idealen Redners zu verdeutlichen.
Durch das Gegenüberstellen und Abwägen der beiden Standpunkte dieser dialektischen Handlung vermeidet Cicero eine dogmatische Enge in seiner Begriffserklärung.
Auf der einen Seite argumentiert Crassus, der sich einer Theorie der Beredsamkeit nahe fühlt, für einen wissenschaftlichen Begriff der Rhetorik, er nennt sie eine ars.
Auf der anderen Seite sieht Antonius die Beredsamkeit eher als spontane und urbane Fähigkeit, die sich aus dem Dreiklang der natura, des studium  und der  exercitatio schöpft.
Crassus vertritt den Standpunkt des orator philosophicus, er erkennt die Universalität der Sprache und leitet daher eine gesellschaftliche Bindungskraft in allen kommunikativen Bereichen ab. Er führt weiter aus, dass jede Fachdisziplin, um sie überzeugend darzustellen die Rhetorik benötige, dass die Rhetorik aber ebenfalls von der Fachdisziplin abhänge, da ohne Wissen eines Faches über nichts gesprochen werden könne. So verlangt eine abgeleitet vom Universalprinzip der Ausbildung eine Doppelkompetenz vom Orator, einerseits die oratorische, andererseits die fachliche Kompetenz. Einschränkend muss Crassus allerdings anfügen, dass dieses ideale Bild des Orators kaum zu erreichen sei und verweist auf womögliche Redner, die im Laufe der Zeit noch kommen mögen. Der Autor verweist hierbei auf sich selbst. Diese gemachte Einschränkung beinhaltet noch das Fachwissen der Ethik, ergo der Lebensführung und der Sitten des Volkes und sollte diese auch als ein vir bonus dicendi peritus selbst hochhalten. Ein Jurastudium wäre von Vorteil. Wenn der Redner nicht auf allen Gebieten allwissend ist, solle er sich, vorausgesetzt er hat oratorische Kompetenz und urbanitas, im speziellen Fall vom artifex unterrichten lassen. Der perfekte Redner besitzt noch einen dialektischen Scharfsinn (acumen), philosophisches Gedankengut, das Gedächtnis (memoria) eines Juristen und die Stimme (vox) eines Schauspielers. Er müsse die Vorbilder kennen und die Tugenden  (virtutes dicendi) vertreten: sprachliche Richtigkeit (latinitas), sprachliche Klarheit (perspicuitas), Ausschmückung (ornatus), Angemessenheit (aptum), Glaubwürdigkeit (credibilitas), Anschaulichkeit (evidentia). Zusätzlich ist die Kenntnis der Vorbilder erforderlich (imitatio).

Antonius nimmt eine pragmatischere Stellung bezüglich des idealen Redners ein. Die geistige Begabung (ingenium) und die Sorgfalt (diligentia) und die Weltgewandtheit (urbanitas).
Er brauche die Fachkompetenz eines Spezialisten, denn nur wer die Thematik sicher beherrsche, kann auch gut darüber reden. Antonius vertritt somit den Standpunkt des orator artifex. Außerdem würde die Rhetorik überall unnütz, wo es um scientia und nicht um opinio gehen würde. Der Fachmann braucht allerdings, so räumt er ein, ein gewisse Oratorfähigkeit, um überzeugend reden zu können. „rem tene, verba sequentur“


Crassus besteht darauf, dass es eine empirisch abgesicherte Theoriebildung gäbe, die allerdings aus der Praxis entstanden sei. Er erläutert den methodischen Fünfschritt: 1. Phänomene realisieren, 2. erfassen, 3. definieren, 4. in Gattungen einteilen und 5. in Teilbereiche untergliedern.
Crassus nennt die ars eine Untersuchung menschlichen Verhaltens, in der es viele Variablen und Einzelfälle gibt. Daher bestehe eine Nähe zur Wissenschaft. Allerdings sei die ars ohne die natura des Orators nutzlos und sehr wichtig, um mit guter Begabung Spitzenleistungen zu vollbringen. Daher ist die Kenntnis der theoretischen Aspekte absolut von Nöten und in Kombination mit natura, studium und exercitatio die Grundvoraussetzung, um in Richtung des „perfectus orator“ zu streben.

Antonius sieht nur gewisse praecepta zur Beeinflussung der Zuhörerschaft, die allerdings keine ars darstellen, er aber nichts dagegen sagen werde, wenn jemand dies tue. Da es aber keine gewissen und festen Aussagen geben könne, sei die Rhetorik keine ars. Die rhetorischen Produktivkräfte wären ausschlaggebend für den perfekten Redner: 1. ingenium, 2. diligentia, 3. zusätzliches Wissen im Bezug auf die alte Theorie (techne).
Wichtig für den guten Redner sei zusätzlich der sprachliche Ausdruck und etwas Intelligenz, viel Übung und das Setzen von Glanzlichtern.


Autor: Frank Duerr, Gesellschafter der acameo GbR. Mehr Informationen unter www.acameo.de